Standardeinrichtungen eines Standard-PC

Wenn eine Systeminstallation recht verborkt ist, und sich am ehesten ein Clean-Install lohnt, steht man vor einigen Entscheidungen. Im Beispiel nutzen wir immer noch Windows XP, das erste ausgereifte und deshalb noch nicht überholte Betriebssystem von Microsoft.

In einem bekannten Ego-Shooter Computerspiel steht der Held auf einer freien Ebene, umgeben von Unmengen Waffen, Munition, Medikits, scheinbar ein spielerisches Schlaraffenland, er muss sie nur aufheben. Sofort entdeckt er jedoch, dass er gleichzeitig von Unmengen von Monstern angegriffen wird und stirbt, ehe er „Uncle“ sagen kann, wenn er sich nicht nach einem ganz bestimmten Schema bewaffnet. Er braucht viele Versuche, dies herauszufinden.

Letztlich ganz ähnlich geht es uns, dem XP-Benutzer, am Ende des routinemäßigen Installationsvorgangs beim Herstellen der Internetverbindung: Auch hinter der Firewall eines Routers und der aktivierten Personal Firewall (wir gehen hier von einer Service-Pack-3-CD aus) steht der frisch aufgesetzte Rechner jungfräulich und schutzlos da – und wird sofort hundertfach aus dem Internet angegriffen (das wird nämlich jeder PC in jeder Sekunde, wenn er anständig konfiguriert ist, merkt man es nur nicht). Jetzt kommt es darauf an, die Waffen, die im Internet herunterladbaren Tools und Zubehöre, in der richtigen Reihenfolge aufzunehmen. Hier ist meine:

Herstellen der Benutzbarkeit – idealerweise ist die Erstinstallation („firstrun“) schon so weit, dass die wichtigsten Dinge alle funktionieren, also Grafik- und Netzwerktreiber. Alles weitere kann später kommen. Manchmal sieht es nach dem Start aber so aus, dass man noch gar nicht arbeiten kann, weil die Grafikkarte nicht erkannt wurde, oder das WLAN verschlüsselt ist. Das muss natürlich als allererstes gerichtet werden.

Aktivierung – eine Menge der wichtigen Downloads von der Microsoft-Website bekommen wir nur mit laufender Aktivierung. Ich gehe davon aus, dass wir eine legale Kopie installieren, deshalb können wir sie genausogut beim ersten Vorschlag über das Internet aktivieren. Es geht blitzschnell, und es werden keine Fragen gestellt.

Browser und Antivirentool – unser frischer Rechner hat kein Antivirentool, denn das ist bei Microsoft nicht serienmäßig, und er hat immer noch den Internet Explorer 6 (IE6 must die!). Dass eins der ersten automatischen Updates der Internet Explorer 8 ist, zeigt, dass Microsoft das weiß. Aber bis zu den automatischen Updates können wir nicht warten! Splat! Bamm! Wham! Angriffe laufen jetzt! Deswegen sind die ersten 2 Websites, die ich aufrufe, Mozillas Firefox und Microsofts Security Essentials (zulässige Alternativen sind Opera und Aviras Free-AV, das hat immer auch mit Geschmack zu tun). Welchen dieser beiden Schritte vor dem anderen? Das ist ein wenig eine Glaubensfrage. Aber: Es ist ganz wichtig, dass wir keine andere als diese absolut vertrauenswürdigen Sites aufrufen, solange dieser grundlegende Schutz nicht hergestellt ist. Wer nebenher schon mal im IE6 Facebook öffnet, während sich das Antivirentool noch aktualisiert, hat das Problem nicht verstanden (außerdem unterstützt Facebook nicht mehr den IE6…).

Wichtige Updates – eventuell hat inzwischen schon die Funktion „automatische Updates“ damit angefangen, ansonsten helfen wir ihr auf die Sprünge, indem wir Microsoft Update aufrufen. Dort warten annähernd hundert wichtige Updates auf uns, darunter der Internet Explorer 8, mit dem ich aus persönlicher Überzeugung trotzdem nirgendwo anders als auf Microsoft Update gehen würde – und auch nur, weil es dort mit Firefox nicht passabel klappt. Nach diesem ersten Durchlauf kommen etliche optionale, aber sinnvolle Updates auf uns zu, z. B. der aktuelle Mediaplayer, Windows Search, das .NET Framework. Diese bedingen neue, wichtige Updates – ein Teufelskreis beginnt, der einen halben Tag dauern und ein halbes Dutzend Neustarts enthalten kann.

Erst jetzt haben wir die Grundvoraussetzungen für sicheres Surfen erfüllt: Firewall, Updates, Antivirenschutz ist das Trio, das Microsoft empfiehlt, ein geeigneter Browser ist meine unbedingte persönliche Ergänzung. Erst jetzt können wir beginnen, den PC benutzbar einzurichten. Was es dazu braucht, ist stark geschmacksabhängig, hier meine Empfehlungen:

Ohne den Adobe Reader, ein ZIP-Kompressionsprogramm und einen Bildbetrachter kommt niemand nirgendwohin. Der Browser benötigt Flash und das Surfvergnügen steigt mit einem Werbeblocker. Produktiv wird es mit einem E-Mailprogramm und einer Office-Suite, für beides muss man kein Geld ausgeben. Nach der Installation jedes Tools muss es auf Updates geprüft werden! Ja, z. B. der Adobe Reader wird manchmal nur per Update gepatcht, und das OpenOffice bringt nicht immer die aktuelle Java-Version mit sich. Das ist die Minimalkonfiguration, mit der ich einen PC übergeben würde.

Ein abschließender Test beim Scan von heise/Secunia sollte nichts Unklares aufzeigen.

Sicherheit für Paranoiker – das muss doch noch viel sicherer gehen? Ja, wenn man die genannten Anwendungen von einem sicheren PC aus auf einen USB-Stick lädt und unserem Kandidaten einimpft, bevor man ihn überhaupt ans Internet anschließt. Aktivierung in dem Fall per Telefon. Theoretisch kann man das nicht nur mit Firefox und Antivirus machen, sondern sogar mit den drölfzig Updatepaketen, Microsoft bietet sie alle einzeln zum Download an. Aber nein, ich will mir nicht die Liste zusammengoogeln, welche Dateien und Downloadlinks das sind. Und natürlich muss der PC, der dabei als Basis dient, selbst völlig verlässlich sein…

Ist es da nicht besser, gleich Windows 7 / gleich einen neuen PC zu nehmen? Das ist eine Abwägungsfrage. Ich finde XP ausgereift, nicht überholt, obwohl es ein ganzes Jahrzehnt alt ist. Der Extended Support wird bis 2014 laufen. Aber: nach dem Rohrkrepierer Vista, den niemand seriöserweise empfehlen dürfte, ist mit Windows 7 jetzt natürlich ein würdiger Nachfolger im Sortiment, der echte Verbesserungen enthält, und mit dem Internet Explorer 9, den es nicht mehr für XP gibt, auch aufgezeigt, wohin der Hase läuft. Zwischen jetzt und 2014 muss sich also der Anwender entscheiden. Doch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man bis dahin auch mal wieder einen neue PC gekauft hat, der eine neue Windows-Lizenz mitbrachte. Und natürlich ist da noch Ubuntu, das komplett freie Betriebssystem, das regelmäßig gepflegt und aktualisiert wird…

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