Akismet und Schwarmintelligenz: Hallo Peter Schaar

Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können zusammen das Gesicht der Welt verändern.

Peter Schaar, der Bundesdatenschutzbeauftragte, hat sich in seinem Kampf gegen bösen Datenklau unter anderem Google Analytics vorgenommen. Dieses kleine Werkzeug des großen Suchmaschinenanbieters hilft vielen Webseitenbetreibern, ihre Nutzer besser zu verstehen – oder sich einfach nur an der Zickzacklinie des Seitenzugriffs zu erfreuen. Leider liefert es alle seine Daten zu Hause bei Google ab, das ist außerhalb des Wirkungskreises unserer Datenschutzgesetze, und wir wissen alle nicht so genau, was Google damit alles macht.

Schwarmintelligenz ist, wenn viele kleine Leute das Gesicht der Welt verändern. Wikipedia ist ein Beispiel für Schwarmintelligenz: Wenn Sie alles über Justin Bieber wissen, oder über die Schlacht bei Issos 333, können Sie ins Fernsehquiz. Wenn aber viele Leute je ein bißchen über den Jungen mit dem frisch abgeschnittenen Pony oder die altgriechische Keilerei wissen, können sie zusammen einen guten Wikipedia-Artikel produzieren. (Manche sagen, das ganze Internet sei ein einziges Beispiel für Schwarmintelligenz.) Lernende Computersysteme ohne menschliches Zutun sind auch solche Beispiele. Die werden zum Beispiel auch zur Spambekämpfung eingesetzt.

Akismet ist ein solches Spambekämfungstool, es gehört zur bekannten Blogsoftware WordPress, und wird auch hier eingesetzt.

Damit viele kleine Computer zusammen eine Aufgabe erfüllen können, müssen sie Daten austauschen. Da Akismet ein amerikanisches Produkt ist, genau wie Google Analytics, liefert es seine Daten außerhalb des Wirkungskreises unserer Datenschutzgesetze ab, und wir wissen alle nicht so genau, was Matt damit alles macht (außer sehr wirkungsvoll Spam bekämpfen jedenfalls).

Deshalb könnte der Einsatz von Akismet ein Datenschutzproblem darstellen, mit allen üblichen Folgen, also sowohl dem Zorn von Peter Schaar als auch Abmahnwahn.

Und das bringt ein neues Problem auf: Damit der Schwarm intelligenter wird als die Summe seiner Teile, muß er untereinander kommunizieren. Und wenn jede Kommunikation, auch gewollte, immer gleich ein Datenschutzproblem ist, dann reden wir irgendwann nicht mehr miteinander. Mißtrauen hemmt Produktivität. Wenn eine Untergruppe sich von der Gesamtheit abtrennt, profitiert sie nicht mehr vom Wissen des Schwarms. (Peter Schaar kann Akismet in der Welt nicht abschaffen, es wird weiter exisitieren. Wenn aber alle Deutschen es abschalten, lernt das System nichts mehr über deutschen Spam und kann ihn deshalb nicht mehr bekämpfen. Und wenn alle Deutschen auf das scheinbar harmlose Alternativprodukt Antispam Bee springen, aber aus Datenschutzgründen keine Deutschen mehr an dessen Wissensquelle Project Honey Pot teilnehmen, wird das Alternativprodukt auch nicht mehr funktionieren.)

Das Beispiel Wikipedia ist denn auch nur scheinbar kein Datenschutzproblem, weil wir das „Datum“, nämlich die Tatsache, daß wir etwas von Justin Bieber oder 333 wissen, so bereitwillig preisgeben. Dabei ist auch diese Information schutzwürdig…

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