Ubuntu 10.04 Release Candidate

Schon seit einiger Zeit teste ich die Beta von Ubuntus kommender Version, 10.04 „Lucid Lynx“ („erleuchteter Luchs“), und zwar in der Fassung als UNR, Ubuntu Netbook Remix, auf eben dem. Heute soll der Release Candidate veröffentlicht werden, da wir uns schon seit ein paar Tagen in der „Freeze“-Phase befinden, in der jede weitere Entwicklung eingefroren ist, sind keine großen Überraschungen mehr zu erwarten – ich arbeite also absehbar schon jetzt mit dem, was Ende des Monats veröffentlicht werden wird.

Dabei gelten natürlich die üblichen Vorsichtsmaßregeln: mit einer Beta – und auch einem Release Candidate – arbeitet man nicht mit produktiven Daten, schon gar nicht, wenn man sich nicht sicher ist, was man da tut. Aber alternativ zum sowieso installierten Windows installieren, mal schnuppern, mit viel Backup, Backup, Backup, so kann und sollte man das tun. Denn ohne daß Freiwillige testen und Bugs melden, wird aus einer Beta kein Release, Entwickler selbst sind nach einiger Zeit betriebsblind für die Macken ihres Werks.

Was bringt uns der Erleuchtete? Nun, einen raketenschnellen Start zum Ersten. Die beim Start verwendeten HALs wurden eingespart, das Ding ist so schnell „on“, als erwache es nur aus dem Standby. Oben rechts wurde ein bißchen angehübscht, man hat dort jetzt direkten Blick auf das Wetter vor Ort, auf Instant Messenger (Empathy) und soziale Netze (Gwibber). Dafür wich der automatische Blick auf die Aktualisierungsverwaltung, die einem bisher beim Start direkt sagte, daß Pakete zu aktualisieren seien, und es sind ja immer Pakete zu aktualisieren. Die muß man jetzt selbst aufrufen, und das vergißt man natürlich gern.

Der graphische Desktop Gnome kommt in aktueller Version, und das Ganze mit einem ganz neuen Look. Professioneller soll es aussehen, sagen die Marketer. Dafür haben sie das Logo überarbeitet, das Farbschema, und, und jetzt halte man sich fest, das Kreuz zum Schließen ist nicht mehr oben rechts, sondern oben links. Das hat in der Gemeinde erhebliche Unruhe ausgelöst. Es soll eine Eigenständigkeit aufzeigen, eine Ablösung von Windows. Aber die meisten von uns sind digital immigrants von eben diesem Betriebssystem, und dürften wohl Schwierigkeiten haben, sich umzugewöhnen. Der Workflow, den gutes Design niemals stören soll, ist unterbrochen. Das findet seine Fortsetzung in der unvollständigen Umsetzung: das „Unterfensterkreuz“ zum Schließen eines einzelnen Dokuments in OpenOffice ist weiterhin rechts, ebenso wie das Schließkreuz an der Kopfzeile des Netbook Launcher.

Der ist ansonsten sehr viel ausgereifter geworden. Hatte ich mich lange Zeit mit dem Spinoff „Easy Peasy“ beschäftigt, weil die auf Netbooks die Nase einfach vorn hatten, bin ich jetzt zum Hauptprodukt zurückgekehrt. Der Netbook Launcher ist für die Bedienung mit dem frickeligen Touchpad optimiert, die auf den ganzen Desktop verteilten großen Schaltflächen sind besser zu treffen.

Vielen Stammnutzern fällt außerdem auf, daß Gimp nicht mehr standardmäßig dabei ist. Das mächtige Graphikprogramm, hat man bemerkt, wird von den meisten Einfach-mal-eben-Benutzern gemieden, weil es zu kompliziert erscheint. Nun, wer es kennt und trotzdem haben will, kann es natürlich weiterhin mit einem Klick ins Software-Center dazuinstallieren, deshalb halte ich die Diskussion für akademisch.

Schließlich ist das insgesamt glatt und rosig aussehende neue System auch wieder ein Long Term Support Produkt, ein LTS. Das spricht diejenigen Kunden an, die nicht die Begeisterung teilen, alle halbe Jahr ein neues System zu installieren, sondern lieber länger etwas davon haben wollen. Denen sei also gesagt, daß der Mai bevorsteht, und daß er das bringt, was Obama so schön beschwört: „Change we can believe in“.

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